Arbeitskreis „Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe"
Seit 1994 ist der Arbeitskreis „Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe“ aktiv. Er entstand als Kooperationspartner des damaligen ostdeutschen „Gedenkstättenverbandes“. Seine Gründung war eine Reaktion auf den Abzug der Soldaten der Westgruppe der Truppen aus Deutschland und auf die Frage, was aus den zahlreichen sowjetischen Ehrenmalen, Friedhö-fen und Gräbern im Land Brandenburg sowie in anderen Bun-desländern wird.
Zum Arbeitskreis gehören z. Z. zwei Freunde aus Berlin und je ein Mitglied in Potsdam, Werder und Kleinmachnow.
Die Tätigkeit des Arbeitskreises umfasst folgende Gebiete:
1. Begleitung und Unterstützung von Maßnahmen zur Erhaltung und Pflege der Ehrenmale, Friedhöfe und Gräber in Zusammenarbeit mit dem Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation und den zuständigen Landes- und Kommunalbehörden.
2. Unterstützung von Bürgern und Organisationen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei der Suche nach Gräbern sowjetischer Bürger in Deutschland in Zusammen-arbeit mit dem Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenk-arbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation und den Rot-Kreuz-Gesellschaften des In- und Auslandes.
3. Beratung und Unterstützung des Vorstands und der Mit-gliedergruppen der Freundschaftsgesellschaft in gedenk-stättenpolitischen Angelegenheiten.
Der Arbeitskreis ist ausschließlich ehrenamtlich tätig. Er erhält keinerlei finanzielle Zuwendungen oder Vergütungen.

Die Mitglieder des Arbeitskreises: Dr. L. Prieß, H.-U. Leps (Vors.), R. Neukirchen, K. Muß und
B. Muck (v. r.) am 23.02.2021 am Sowjetischen Ehrenmal Berlin-Tiergarten Foto: B. Grossmann
Den Tag des Vaterlandsverteidigers feiert man seit 1922
Er wurde auf Initiative Lenins als Tag der Roten Armee eingeführt. So hieß er bis 1949. Von da an nannte man ihn Tag der Sowjetarmee und Seestreitkräfte. Seit 2002 trägt er seinen heutigen Namen. In jedem Jahr treffen sich Freunde der Sowjetunion und Rußlands und der mit dem russischen Volk befreundeten Völker in Berlin am Ehrenmal im Tiergarten, um diesen Tag gemeinsam zu begehen. Aber auch, um Freundschaften zu schließen, aufrecht zu erhalten und zu beleben, Gedanken auszutauschen, Ideen zu teilen und gemeinsame Vorhaben zu initiieren.
In diesem Jahr trafen sich die Mitglieder des Arbeitskreises „Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe“ in der Brandenburgischen Freundschaftsgesellschaft e. V. zu der Feier am Ehrenmal in Berlin-Tiergarten und nutzten die Gelegenheit für Gespräche mit dem Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland Sergej Netschajew und der Leiterin des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit an der Botschaft, Frau Olga Titkova.

Sergej Jurjewitsch Netschajew im Gespräch mit Mitgliedern des Arbeitskreises
Photo by @AlexanderGuidePotsdamBerlin
Der Botschafter betonte, daß er die Arbeit der Brandenburgischen Freundschaftsgesellschaft e. V. sehr hoch schätzt. Ihm wurde versichert, daß die Mitglieder immer an der Seite des russischen Volkes stehen werden. Mit Frau Titkova wurde ein Termin für eine Online-Konferenz verabredet, auf der aktuelle Ergebnisse und Aufgaben für die nächste Zeit erörtert werden. Diese Form der Zusammenarbeit ist auch den gegenwärtigen Bedingungen geschuldet. Ein persönliches Treffen wie in der Vergangenheit ist zur Zeit nicht möglich. Spürbar waren die Einschränkungen auch bei der Feier selbst. Wenn der Platz vor dem Ehrenmal in den vergangenen Jahren stets mit mehreren hundert Menschen gefüllt war, so war es in diesem Jahr eher eine überschaubare Zahl. Um so größer war die Freude, Bekannte zu treffen, wenn auch unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln.
Erwähnenswert ist auch ein besonderer Umstand, unter dem die Feier in diesem Jahr stattfand. Die Straße des 17. Juni war zwischen Brandenburger Tor und Großer Stern für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Ein Fahrzeugcorso der Taxifahrer aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und anderen Bundesländern, die für ihre Rechte demonstrierten, führte direkt am Ehrenmal vorbei. Mit Hupen gaben sie ihren Forderungen akustischen Ausdruck. Ob ihnen bewußt war, daß sie die Feier damit störten, ist nicht bekannt. Doch der verantwortlichen Genehmigungsbehörde sollte nicht unbekannt gewesen sein, daß zeitgleich die Feier zum Tag des Verteidigers des Vaterlandes stattfindet. Um es mit dem Wort des Dichters zu sagen: „Ein Hundsfott, der Böses dabei denkt.“
Hans-Ulrich Leps
Leiter des Arbeitskreises
Bericht über die Tätigkeit des Arbeitskreises
„Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe“ 2019 – 2020
Am 07. August 2019 verstarb unser langjähriger Leiter des Arbeitskreises Dr. Wolfgang Ditting. Er hinterließ eine große Lücke in der Branden-burgischen Freundschaftsgesellschaft. Plötzlich fehlte uns seine große Sachkenntnis, seine Kenntnis beinahe jeden Sowjetischen Friedhofs in Brandenburg und darüber hinaus, sein militärhistorisches Wissen und seine über viele Jahre gepflegten Beziehungen zu den Friedhofsverwaltungen in ganz Brandenburg.
Etwas holprig gelang uns dann ein Neustart mit nunmehr 5 Enthusiasten. An ein Einstellen der Arbeit war nicht zu denken, dafür fühlen wir uns den Befreiern Deutschlands vom Faschismus verpflichtet. Außerdem lagen noch einige nicht bis zu Ende durchgeführte Recherchen an. Die Ange-hörigen warteten auf Antworten. Auch kamen laufend neue Anfragen nach ungeklärten Grablagen hinzu.
So hatten wir vom August 2019 bis 31.05.2020 55 Anfragen vorliegen. Davon konnten 6 positiv, d. h. mit genauer Angabe des gesuchten Grabes einschließlich Foto beantwortet werden. Bei 49 Anfragen konnten wir trotz großen Rechercheaufwands das Grab des Gesuchten nicht finden. Davon liegen 7 Gräber höchstwahrscheinlich in der Republik Polen. Bei 12 Anfra-gen fehlten detaillierte Angaben zur Person, oder der Kampfverband war nicht mehr genau zu ermitteln. Bei 30 Anfragen wurde zwar der Sterbeort mit hoher Wahrscheinlichkeit ermittelt, das Grab aber nicht gefunden. In solchen Fällen wird den Hinterbliebenen ein Antrag auf Verewigung des Gedenkens an den Gefallenen bei der Botschaft der Russischen Föderation empfohlen.
Am 03.06.2020 wurde den Mitgliedern des Arbeitskreises ein Dankschreiben des Leiters der Verwaltung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation durch den Botschafter im Russischen Haus in Berlin übergeben. Wir betrachten es als Zeichen der Anerkennung unserer Mühen und eine Verpflichtung weiter unsere Kraft und Zeit für die Klärung der Schicksale noch immer vermisster Rotarmisten einzusetzen.
Klaus Muß
Dankschreiben des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation
Auf einer Auszeichnungsveranstaltung am 3. Juni 2020 im Haus der Russischen Wissenschaft und Kultur in Berlin überreichte Botschafter Sergej J. Netschajew den Mitgliedern des Arbeitskreises "Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe" Klaus Muß, Hans-Ulrich Leps, Ralf Neukirchen und Bernd Muck für ihren besonderen Einsatz bei der Suche nach Gäbern gefallener Rotarmisten und sowjetischer Kriegsgefangener Dankschreiben von Generalmajor V. Popow, Ressortleiter im Verteidigungsministerium der Russischen Föderation für die Verewigung des Andenkens an die bei der Verteidigung des Vaterlands Gefallenen. B. Muck
Glückwünsche von der Botschaft
Wenige Tage vor Weihnachten erhielten die Mitglieder des Arbeitskreises vom Büro für Kriegsgräberfürsorge der Botschaft persönliche Glück-wunschschreiben sowie einen Wandkalender mit beeindruckenden Fotos aus der Arktis.
