Brandenburgische Freundschaftsgesellschaft
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Aus einem unserer Mitteilungsblätter "Freundschaftsecho"

   

„Es wird nicht wieder vorkommen!“

Jahrzehnte lang haben die Freunde der Brandenburgischen Freundschaftsgesellschaft aus Cottbus, Frankfurt (O) und Potsdam Begegnungen zwischen deutschen, russischen belorussischen und auch tschechischen Jugendgruppen organisiert. Es waren immer ereignisreiche Tage und immer gab es Abschiedstränen. Immer gab es Versprechungen ewig schreiben zu wollen und immer waren es die Jungs, die diese Versprechen als erste vergaßen, während es die Mädchen gewöhnlich länger aushielten. Da die Jugendlichen etwa 14 Jahre alt waren, hatten die Mädchen meist Probleme die Jungen auf die Tanzfläche zu locken. Aber bei einem Aufenthalt einer Gruppe aus Belarus in Potsdam verkuckte sich der 15 jährige, erfolgsgewohnte Sohn eines Neureichen Unternehmers aus Minsk in eine 18 jährige Betreuerin, die natürlich ältere Verehrer bevorzugte, obwohl der Junge hübsch, sportlich, klug und geistreich war und ständig errötend ihren Spuren folgte. Am Ende des Austausches wurde die Betreuerin von ihren älteren Bruder abgeholt. Ihm wurde natürlich brühwarm vorgetragen: dass seine Schwester einem bildhübschen, geistreichen, klugem und vorallem steinreichen Verehrer einen Korb gegeben habe. Er wunderte sich offenbar gar nicht, und er bemerkte dazu nur: “Sie hat noch nie auf das Wohl ihrer anderen Familienmitglieder Rücksicht genommen!“

In Potsdam war es nie schwer, den Gästen etwas attraktives zu bieten. Sanssouci, die Studiotour, in Babelsberg, das Schwimmbecken im Olympiastützpunkt, das Brandenburger Tor und der Reichstag in Berlin wurden jedes Mal besucht. Da die Treffen aber jahrelang stattfanden, unsere Kinder beim Volleyball und Fußball immer den Kürzeren zogen und wir eigentlich unnötigerweise für Abwechslung sorgen wollten, kamen wir eines Tages auf die Idee, ein Schachturnier zu veranstalten.

Und so spielte der damals 8 jährige Landesmeister U10 gleichzeitig gegen 13 Gastkinder und einen Begleiter aus Belarus simultan. Die meisten Gegner waren 12-14 Jahre alt und mit denen hatten wir kein Mitleid, aber den kleinen Mädchen wollten wir eine Niederlage ersparen und informierten den Landesmeister darüber, dass es ein ungeschriebenes Gesetz gäbe, wonach ein männlicher Simultanspieler gegen ´Damen´ höchstens Remis spielen darf. „Ein Kavalier schlägt keine kleinen Mädchen“ schärften wir ihm ein.

Den Mädchen gaben wir sicherheitshalber den Rat, ihren Gegner nett anzulächeln, damit er sich nicht konzentrieren kann. Dass taten sie dann auch sehr gekonnt. Es gibt herrliche Bilder der Veranstaltung, die dokumentieren, dass 12-14 jährige Mädchen schon in der Lage sind, verführerisch zu blicken. Nur beeindruckten diese Blicke unseren 8 jährigen Meister in keiner Weise, denn er wusste noch nicht, dass Dummheit im richtigen Augenblick der Gipfel der Weisheit sein kann. Er verlor nur gegen den erwachsenen Begleiter und gewann gegen alle anderen Gegner. Nur mit Mühe konnten wir ihn dazu bewegen, dem Jungen, der ihm den längsten Widerstand entgegensetzte, ein Remis anzubieten.

Als wir ihn nach vielen Glückwünschen fragten, warum er unsere Gäste so schlecht behandelt habe, entschuldigte er sich damit, dass es sein erstes Simultanspiel gewesen sei, er nie geglaubt habe, gegen 13 Gegner spielen und gewinnen zu können. Und als er bemerkte, dass es doch möglich war, hatte er alle unsere guten Ratschläge vergessen.

„Es wird nicht wieder vorkommen!“ versprach er uns aber.

Brandenburgische Freundschaftsgesellschaft e.V. | brafgesell@aol.com