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Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe

Ertragreiches Wirken des Arbeitskreises „Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe“

Eine umfangreiche Arbeit leisten seit Jahren die in dem seit 1994 bestehenden Arbeitskreis „Sowjetische Ehrenmale und Friedhöfe“ tätigen Mitglieder unserer Freundschaftsgesellschaft. Dieser Arbeitskreis entstand 1994 als Kooperations-partner des damaligen ostdeutschen „Gedenkstättenverbandes“. Seine Gründung war eine Reaktion auf die unwürdigen und beschämenden Umstände und Begleiterscheinungen des Abzugs der sowjetischen / russischen Truppen (WGT) aus Deutschland. Die abziehenden Soldaten und ihre Familienangehörigen waren bekanntlich die ersten Opfer ausländerfeindlicher Ausschreitungen nach dem restaurativen Umbruch von 1989/90. Allein 1992 wurden nach Angaben des letzten Oberkommandierenden der WGT, Generaloberst Matwej Burlakow, 12 Militär- und Zivilpersonen der Gruppe bei ausländerfeindlichen Übergriffen in Deutschland getötet. Überall in Ostdeutschland wurden sowjetische Ehrenmale und Gräber-stätten zu Zielobjekten ausländerfeindlicher und neonazistischer Schändungen, wurden sie - wie alle Erinnerungsstätten an den antifaschistischen Befreiungskampf - einem erheblichen Bestands- und Veränderungsdruck ausgesetzt. All das löste auch bei uns große Besorgnis um die Umsetzung der beim Abschluss des 2+4-Vertrages von den Regierungen der beiden deutschen Staaten abgegebenen Zusicherung der Bestandssicherung und Pflege der sowjetischen Ehrenmale und Friedhöfe im geeinten Deutschland aus. Vielerorts war offensichtlich, dass staatliche Behörden nichts unternahmen, um Angriffe auf die sowjetischen Ehrenmale und Gräberstätten abzuwehren, ja teilweise sogar den „Bilderstürmern“ und Grabschändern Schützenhilfe leisteten. Dass die Besorgnis begründet und die öffentliche Auseinandersetzung mit den Angriffen auf die sowjetischen Ehrenmale und Gräberstätten im Interesse des Schutzes der menschlichen Würde der Toten unumgänglich war, belegt allein schon die Tatsache, dass im Zeitraum zwischen 1990 und 2004 in Ostdeutschland 65 derartige Objekte beseitigt und 24 weitere unter verschiedenen Vorwänden verlagert worden sind. Die sowjetischen Ehrenmale und Friedhöfe erinnern uns Deutsche unablässig daran, dass die Herrschaft des NS-Regimes trotz des mutigen Kampfes vieler deutscher Antifaschisten letztlich erst durch die von den Truppen der Antihitler-Koalition erzwungene bedingungslose Kapitulation Hitler-Deutschlands beendet wurde Die Sowjetunion und ihre Streitkräfte haben dazu bekanntlich die Hauptlast beigetragen. Die Gedenkstätten an diese Opfer mahnen, jedem neuerlichen Versuch, die Welt in neue Kriege zu stürzen, rechtzeitig entschlossen entgegen zu treten. Unseres Erachtens sind die sowjetischen Ehrenmale und Friedhöfe in Deutschland ebenso wie die KZ-Gedenkstätten und anderen Gedenkstätten für die Opfer des NS-Regimes unveräußerliche Bestandteile der demokratischen und humanistischen Gedenkkultur unseres Volkes. Sie können und dürfen nicht der Disposition geschichtsrevisio-nistischer Kräfte überlassen werden. Völlig zurecht wird deshalb von den Völkern und Regierungen Russlands und anderer Nachfolgestaaten der Sowjetunion heute der Umgang mit den sowjetischen Ehrenmalen und Gräberstätten in Deutschland als Prüfstein für die Aufrichtigkeit deutscher Absichtserklärungen über Frieden, Versöhnung, gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit bewertet. Diesen Gedenkstätten gebührt die gleiche Achtung wie denjenigen, die dem Andenken der Toten anderer Nationen der Antihitler-Koalition und den deutschen Opfern von Faschismus und Krieg gewidmet sind. Unsere Pflicht als Mitglieder des Arbeitskreises sahen und sehen wir darin, dazu beizutragen, die sowjetischen Ehrenmale und Friedhöfe in Brandenburg und ganz Deutschland in ihrem Bestand und ihrer Substanz zu bewahren, als Verteter der demokratischen Öffentlichkeit ihre Erhaltung und Pflege gemäß den Bestimmungen des deutsch-russischen Partnerschaftsvertrages und Kriegsgräberabkommens einzufordern und das Andenken der dort bestatteten Toten wach zu halten.

Heute erstreckt sich die Tätigkeit des Arbeitskreises, der gegenwärtig aus drei Mitgliedern besteht, auf folgende Tätigkeitsfelder:

1. Begleitung und Unterstützung von Maßnahmen zur Erhaltung und Pflege der Ehrenmale und Friedhöfe in Zusammenarbeit mit dem Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation und den zuständigen Landes- und Kommunalbehörden. Wir beraten und unterstützen interessierte Kommunen bei Sanierungs- und Gestaltungsmaßnahmen durch Projektgutachten und Revisionsarbeiten an Friedhofsregistern. Insgesamt hat der Arbeitskreis in den vergangenen Jahren an Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen an 40 Objekten in Städten und Gemeinden des Landes Brandenburg mitgewirkt; auf den meisten dieser Friedhöfe gibt es heute keine unbekannten Toten mehr. (Der Gesamtbestand an sowjetischen Ehrenmalen und Gräberstätten im Land Brandenburg umfasst gegenwärtig 320 Objekte).

2. Unterstützung von Bürgern und Organisationen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei der Suche nach Gräbern sowjetischer Bürger in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation und den Rot-Kreuz-Gesellschaften des In- und Auslandes. Bisher wurden von uns mehrere Tausend derartige Auskunftsersuchen bearbeitet und mehrere Hundert Grabstätten zweifelsfrei ermittelt. Allein 2015 wurden bisher 245 Auskunftsersuchen bearbeitet, wobei 41 Grabstätten ermittelt und die namentliche Verewigung von 130 bisher als Unbekannte geltenden Toten angeregt wurde.

3. Beratung und Unterstützung des Vorstands und der Mitgliedergruppen der Freundschaftsgesellschaft in gedenkstättenpolitischen Angelegenheiten.

Es scheint bei alledem erwähnenswert, dass der Arbeitskreis ausschließlich ehrenamtlich tätig ist. Er erhält keinerlei finanzielle Zuwendungen oder Vergütungen. Die Mitglieder bestreiten die bei der Arbeit entstehenden Kosten ausschließlich aus ihren persönlichen Einkünften.

Potsdam, 20.11.2015                                 W. Ditting, Leiter des Arbeitskreises

 

Brandenburgische Freundschaftsgesellschaft e.V. | brafgesell@aol.com